
Bike-Urgestein Gary Fisher
Ceed: Hi Boris, Du bist ja studierter Grafik-Designer und arbeitest nun hauptberuflich als Illustrator?
B.K.: Das stimmt nicht so ganz, die korrekte Bezeichnung wäre “staatlich geprüfter Grafik-Designer”. Ich habe eine dreijährige Ausbildung in Ulm gemacht, das war Vollzeitschule. Ich hätte danach noch Grafik-Design studieren können, aber nach 15 Jahren Schule wollte ich dann endlich mal was arbeiten, Geld verdienen und vor allem raus in die Realität. Schule ist cool, aber irgendwann is auch mal gut, ne? Außerdem war diese Design-Ausbildung für mich nur ein weiterer Schritt in die beruflich richtige Richtung. Denn ich wollte nie ausschließlich Grafikdesigner werden, sondern immer etwas im Zeichen-Bereich machen. Dass ich jetzt mein Hobby, die Illustration mit meinem zweiten Hobby, dem Biken verbinden kann, ist das Beste was mir passieren konnte. Aber es war ein langer Weg bis dahin.
Ceed: Wie lang machst du das mit den Illustrationen nun, beziehungsweise, neben den Illustrationen für Kunden aller Art machst du ja diese Riders Illustrated-Geschichte. Wie kamst du auf die Idee?
B.K.: Also ich sags mal so, ich wusste irgendwie schon immer, was ich einmal werden will. Anfangs war es einfach “nur” Comiczeichner, aber mit der Zeit hat sich herauskristallisiert, dass mich das auf die Dauer langweilen würde und somit habe ich nach einer kurzen Zeit als Angestellter in Werbeagenturen das Grafik-Design und die Illustration vereint und mich selbstständig gemacht. Das war 2003. Zeichnen tu ich aber schon, solange ich einen Stift halten kann.
Spezíell nun die Bike-Illustrationen gibt es seit ca. 2004, da hat das Ganze so langsam angefangen. Erst wars nur sehr sporadisch, aber dann gings plötzlich recht zügig voran und das Feedback auf meine Bilder war immer super. Das hat mich sehr gefreut, denn ich wollte immer schon in der Bike-Szene arbeiten und dort etwas machen, was es noch nicht gibt, bzw. noch keiner vor mir gemacht hat. Etwas zu kopieren befriedigt mich nicht und finde ich auch eher peinlich.
Als erstes wollten die Fumic Brothers sich gezeichnet sehen, und als diese Bilder so gut ankamen, hab ich einfach mit anderen Fahrern weitergemacht. Langsam aber sicher wurden es immer mehr und ich wurde immer bekannter. So dass ich heute für Bikefirmen rund um den Globus arbeite. Verrückt, oder? An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, mit denen ich schon zusammenarbeiten durfte, für das entgegengebrachte Vertrauen! Cheers!

Boris stets gut gelaunt
Ceed: Muss man schon von vorne herein gut zeichnen können oder kann man sowas wirklich erlernen? Talentfrei sollte man vielleicht nicht gerade sein,was Zeichnen angeht, oder?
B.K.: Ja, wie schon erwähnt, zeichne ich schon seit meiner frühesten Kindheit. Für meine Eltern und mein Umfeld war wohl recht schnell klar, in welche Richtung sich mein Leben einmal entwickeln würde. Das Zeichnen ist eindeutig mein größtes Talent und ich bin sehr dankbar dafür. Ich würde also sagen, es ist grundlegend Talent vonnöten, aber auch sehr viel Übung. Von nix kommt nix, auch nicht mit dem größten Talent. Ich glaube aber nicht, dass man ohne eine gewisse Begabung und nur durch Lernen irgendwann richtig super zeichnen kann. Ich bin zum Beispiel kein extremes Rechen-Genie und werde das auch mit noch so viel Übung nie werden. Zwar werde ich immer besser, aber so gut wie ein dafür talentierter Mensch werde ich nie werden.
Ceed: Fährst du selbst auch Rad?
B.K.: Na aber hallo! Und wie! Ich fahre jetzt seit ca. 20 Jahren Mountainbike. Ich habe also die Entwicklung dieses Sports von fast zu Beginn an miterlebt und bin damit aufgewachsen. Eigentlich haben mich normale Fahrräder früher eher gelangweilt, obwohl mir das Radfahren selbst schon gefallen hat. Ich bin dann einfach immer auf Baustellen und Äckern rumgefahren, da ich Offroad einfach spannender fand. Das kam vielleicht auch daher, dass ich in meiner Kindheit ständig mit meinen Eltern beim Bergsteigen war und so die Berge lieben gelernt habe.
Irgendwann wollte ich dann lieber Motocross fahren. Aber von meinen Eltern her ging nix mit nem Mofa. War aber gar nicht schlimm, denn irgendwann kamen dann die MTBs auf den Markt und als ich zum ersten Mal so ein Bike gesehen habe, wars um mich geschehen. Fette Stollen, abgefahrene Rahmendesigns, coole Szene, sympathische Leute und vor allem und ganz wichtig: So gut wie keiner fuhr damals MTB, yeah! Ich für mich persönlich kann Sportarten wie Fußball oder Tennis einfach nichts abgewinnen. Radfahren im Gelände und die Berge haben mir aber schon immer gefallen, somit war und ist der Bikesport genau das Richtige für mich.
Ich selbst fahre zwar eher All-Mountain und Tour, aber lege schon sehr gerne Freeride- und Downhill-Passagen ein. Wobei ich sehr aufpassen muss, dass ich mich nicht zerlege, denn ein gebrochener Arm, etc. bedeutet, der Laden ist erstmal dicht! Freeride und Downhill fasziniert mich am meisten, da es die meiste Action hat. Aber trotzdem liebe ich jede Facette des Bikens, nicht zuletzt deswegen, weil ich weiß, wie sich alles entwickelt hat und wie die einzelnen Richtungen entstanden sind.
Tja, mit diesem Hintergrund sage ich gerne, dass in jeder meiner Arbeiten eine Menge Herzblut und persönliche Verbundenheit steckt. Jedes Bild ist ein sehr aufwändiges Unikat und ist erst dann fertig, wenn der Kunde und ich vollkommen zufrieden sind. Daher lege ich auch ab und zu mal ne Nachtschicht ein. Durch meine große Verbundenheit zum Biken lege ich größten Wert darauf, dass die Bilder den Spirit des Sports perfekt rüberbringen. Da feile ich lieber noch ne Weile an einem Gesicht oder einem Move, bevor ich was rausgehen lasse, das ich nicht richtig gut finde. Das ist mir ohnehin das Wichtigste bei diesen Illustrationen, es muss richtig stylish wirken. Biken ist ein sehr cooler Sport, das gefällt mir daran und das soll auch in meinen Bildern unmissverständlich rüberkommen. Ich versuche bei den Bike-Illus aus jedem Rider das Beste herauszuholen und ihn so attraktiv und cool wie möglich darzustellen. Bisher fanden sich alle ganz hübsch, soweit ich das mitbekommen habe, ich hoffe das bleibt so, haha!

Andi Wittmann
Ceed: Wie entsteht solch eine Illustration eigentlich Schritt für Schritt?
B.K.: Am Anfang stehen immer ein oder mehrere gute Portraitfotos, von denen ich ein möglichst realistisches Portrait zeichne. Eigentlich wäre ich dann “schon” fertig, aber jetzt kommt das Spannende, denn dann beginnt das, was ich gerade eben schon angesprochen hatte. Nämlich das Tunen. Das geht so lange, bis zuerst ich und dann alle anderen zufrieden sind.
Der offizielle Ablauf ist dann folgender: An erster Stelle steht das Briefing, also die Besprechung, wie der Fahrer sich gerne sehen möchte, bzw. welches Motiv gewünscht ist. Dann erstelle ich eine sehr grobe Strichzeichnung, um die Bildkomposition festzulegen. Als nächstes zeichne ich eine grobe Rohzeichnung, schon in Farbe. Und wenn die passt, geht es an die sauber ausgearbeitete Reinzeichnung. Sehr wichtig ist mir bei dem ganzen Vorgang die Transparenz. Der Kunde weiß zu jeder Zeit, was ich gerade mache und kann einschreiten, falls etwas nicht so aussieht, wie er es sich vorgestellt hat. Denn letzten Endes ist der Kunde der Chef und erst wenn er zufrieden ist, bin auch ich zufrieden. Das klingt zwar aufwändig und ist es auch, aber hat sich bisher immer gelohnt.
Ceed: Wie lang dauert sowas grob über den Daumen, mal von einem deiner Riders-Illustrated Charaktere ausgehend?
B.K.: Also ich denke mal, du meinst jetzt eine Portraitzeichnung, also den Kopf, ohne Body, Bike, Hintergründe und sonstige Designs. Das variiert von einem Tag bis zu einer Woche. Es hängt stark davon ab, wie gut die Vorlagen-Fotos sind, denn ich habe den Menschen beim Zeichnen nie live vor mir, sondern muss mir anhand der Fotos ein dreidimensionales Bild in meinem Kopf machen. Nur dann wird das Bild auch so gut, dass man die Person hinterher wirklich sofort erkennt und sein Charakter zur Geltung kommt. Und dann hängt es natürlich auch davon ab, wie gut ich dranbleiben kann und wie flüssig der Kontakt zum Kunden ist, denn die meiste Zeit laufen bei mir mehrere Jobs parallel. Manche Leute sind einfach nicht ständig erreichbar, somit zieht es sich meistens etwas. Aber grob gesagt, ist ein Portrait in ca. 1 Woche fertig. Was als Außenstehender oft nicht ersichtlich ist, ist die Tatsache, dass ich keine 15-Minuten-Schnellkarikaturen zeichne, wie sie es auf diversen Künstler- und Jahrmärkten gibt, sondern dass es sich bei meinen Bildern schon eher um digitale Gemälde handelt. Und sowas braucht einfach seine Zeit.

Shimano Poster mit verschiedenen Fahrern
Ceed: Hast du da einen Lieblingsfahrer?
B.K.: Du meinst, ob ich einen Fahrer habe, den ich am liebsten zeichne? Nein, das ist mir egal, denn jeder Mensch hat etwas Besonderes, und die Herausforderung ist es jedesmal, dieses zu entdecken und markant darzustellen. Aber ich muss zugeben, Tibor Simai hat schon großen Spaß gemacht …
Ceed: Bei deinen Riders Illustrated-Charakteren hebst du ja bestimmte Merkmale der einzelnen Fahrer als Karikatur hervor. Mehr Gespür oder irgendwie eine Vorgehensweise dahinter, dass der Erkennungswert nachher absolut da ist, die Person aber dennoch lustig wirkt?
B.K.: Grundsätzlich bezeichne ich meine Bilder nicht als Karikaturen und auch nicht als Portraits. Es ist etwas anders, etwas dazwischen. Denn bei einer Karikatur versucht man, die Person möglichst lustig darzustellen und sie vielleicht sogar schon zu beleidigen. Ein Portrait ist sehr realistisch, aber oft auch langweilig. Wie ich schon gesagt habe, ist mir aber wichtig, die Person möglichst stylish darzustellen. Darum nenne ich das Ganze auch “StylePortrait”. Eine neue Art der Portrait-Zeichnung, die es in diesem Stil nur bei mir gibt.
Aber zu deiner Frage: Ich denke, ein gewisses Gespür für die Persönlichkeit des Anderen ist hier nicht von Nachteil. Ansonsten verhält es sich so, wie ich vorhin schon beschrieben hatte, dass viel von den Vorlagenfotos abhängt und wie charakteristisch und typisch jemand darauf abgelichtet wurde. Dann kann ich mich step by step dem Endergebnis nähern.

Trial-Legende Hans “No Way” Rey
Ceed: Früher gab es ja noch nicht so die Möglichkeit der technischen Nachbearbeitung am Rechner. Inwiefern bringt das einen großen Vorteil oder auch nicht, bzw wie funktioniert es, das Ganze nachher digital zu haben?
B.K.: Mein Motto ist: “No filters, no templates, no tricks – just real handicraft!” Soll heißen, jedes Bild ist komplett in Handarbeit und ohne faule Tricks entstanden, jeder Strich von Hand gezogen und nicht etwa mit einem Filter über einem Foto in Photoshop. Ich zeichne jetzt seit sechs Jahren voll digital am Zeichenbildschirm. Anders wäre der Style und auch die Menge auch nicht zu bewältigen. Früher habe ich viel radieren, basteln, einscannen und korrigieren müssen. Heute kann ich das alles digital machen, das spart viel Zeit. Die Handarbeit ersetzt es aber deswegen noch lange nicht. Und darüber bin ich auch sehr froh. So fallen nur die ohnehin fürs Endprodukt eher nervigen Sachen wie Radier-Dreck, kaputte und leere Stifte oder beschädigte Blätter und Zeichnungen weg.
Ceed: Planst du irgendwas wie evtl ein Bike-Comic oder so? Daniel und du, ihr hattet doch mal den Tune Katalog letztes Jahr in Comicform gemacht?
B.K.: Ja stimmt, ich habe mit Daniel Geiger den 2010er TUNE-Katalog entworfen. Wobei er das Grafische übernommen hat und natürlich die Fotos, und ich mich voll auf die Zeichnungen konzentrieren konnte. Auch die Story des Comics hat er erfunden. Ich war sofort begeistert, als er mir von seiner Idee erzählt hat und ich würde es sofort wieder machen. Das ist lustig, wir haben auch tatsächlich schon darüber gesprochen. Es war eine super Zusammenarbeit mit ihm und auch den TUNE-Jungs.
Vielleicht ergibt sich ja wieder eine solche Gelegenheit, mal sehen. Ich würde schon gerne einen richtig fetten Bike-Comic entwerfen, sowas gibt es ja in der Form noch nicht. Aber dafür brauche ich auch einen guten Story-Schreiber, das kann ich nämlich nicht wirklich. Daniel hatte damals einen super Job gemacht, er hat gute Ideen. Mal sehen was sich noch so ergibt … Ich bin da offen für alles.

Marcus “Klausi” Klausmann’s Wohnmobil-Zierte
Ceed: Hast du dich auch schonmal am Bewegtbild versucht oder ist das dann zu komplex alleine umzusetzen?
B.K.: Ich habe damals in meiner Ausbildung zum Grafik-Designer einen kleinen Zeichentrickfilm für eine CD entwickelt, das war schon wahnsinnig aufwändig, hat aber auch sehr viel Spaß gemacht. Ich hätte eigentlich große Lust, meine Zeichnungen auch mal in Bewegung zu sehen, aber wie gesagt, es ist schon verdammt viel Arbeit. Aber sollte sich eine Gelegenheit ergeben, werd ich mir das sicher überlegen.
Ceed: Kann jeder der Lust hat zu dir kommen oder machst du das Ganze nur für bestimmte Personen?
Mit welchem finanziellen Aufwand muss ich da als normalsterblicher Rechnen?
B.K.: Zu mir darf jeder kommen, egal ob Firma, Profifahrer oder Privatmann/-frau. Bezüglich Preis hängt der stark vom Aufwand und dem Umfang der Nutzung ab. Ich versuche immer, den Aufwand an das Budget des Kunden anzupassen und bisher waren alle meine Kunden immer angenehm überrascht.
Ceed: Gibts bei der ganzen Arbeit auch Sachen die dich manchmal nerven?
B.K.: Das einzige was mich manchmal nervt, ist eigentlich die Technik. Wenn der Computer spinnt oder das Internet zickt, das nervt. Und die ganze Verwaltungsarbeit wie Buchführung, Finanzen etc. im Auge zu behalten. Aber meine Arbeit selbst nervt mich normalerweise nie. I love my Job und hoffe, dass ich den auch noch ganz lange so weitermachen kann.

Stets cool und gelassen: Lance McDermott
Ceed: Hast du ein Tipp wie man am besten anfangen sollte, wenn man sich selbst mal probieren möchte?
B.K.: Also wie schon erwähnt denke ich, ein bisschen Begabung ist sicher von Vorteil. Aber ansonsten würde ich sagen, einfach mal loslegen und ausprobieren, dann merkt man schnell obs einem gefällt und funktioniert. Das muss ja auch gar nicht mal wirklich gut aussehen, Hauptsache man hat Spaß dran, denn das ist doch das Wichtigste, oder? Ich wünsche auf jeden Fall allen viel Vergnügen dabei! Just draw!
Übrigens: Die Galerie meiner Website www.riders-illustrated.com ist leider im Moment nicht so ganz up to date, da ich kaum dazu komme, die neuesten Arbeiten einzustellen. Wo es aber immer wieder was Neues zu sehen gibt, da schneller hochzuladen, ist meine Facebook-Seite. Einfach “Riders Illustrated” suchen und mich adden. In der Galerie sieht man dann auch einiges.